Bericht: MAN ENGINES Nürnberg

MAN Motorenwerke Augsburg Nürnberg unter Druck

Kann die Produktion der MAN Dieselmotoren in Nürnberg überleben?

  1. Juli 2019 Ueli Merz

Die Studienreise von Swiss Engineering Sektion Wil und Umgebung zur MAN mit dem Motorenwerk Nürnberg war sehr spannend, denn einerseits ist der Diesel durch Skandale stark unter Druck geraten, und andererseits können wir aus vorangehenden Studienreisen Vergleiche zu ähnlichen Produktionswerkstätten ziehen. Die Reise war gut organisiert von Christian Hofmann, Paul Simon und Richard Schlimpert, und im bequemen Bus liess es sich gut ausruhen. Durch das riesige Motorenwerk der MAN Nürnberg führte Florian Müller.

Motoren für Strasse

Die meisten in Nürnberg produzierten Motoren sind für den Einsatz in Lastwagen, Bussen, also für die Strassen, vorgesehen, mit einer Leistung bis 500 PS. Rund 100’000 Reihenmotoren werden jährlich produziert, meist mit 6 Zylindern. Die Bearbeitung der Zylinderköpfe aus hartem Grauguss erfolgt beinahe voll automatisiert. Die Zusammenstellung der Motoren hingegen enthält viel manuelle Arbeit, mit dem Zusammensetzen der zahlreichen Motorenbestandteile auf langen Fertigungsstrassen im Zweischichtbetrieb. Die neuen Motoren werden vor Ort kalt geprüft, dh. mit Fremdantrieb durch Elektromotor und Messung der benötigten Parameter für Sicherstellung der zuverlässigen Funktion. Der Einbau der Motoren in LKW und Busse erfolgt an verschiedenen Standorten wie z.B. MAN München.

Diesel Reihenmotoren

Teile der angelieferten Gussteile wie Motorenblock, Kolben und Pleuel sind montagefertig, oder werden wie der Zylinderkopf vor Ort automatisiert bearbeitet. Die Toleranzen liegen bei wenigen 1/1’000 Millimetern (mm). Die äusserst aufwendige Entwicklung neuer Motoren erfolgt ca. alle zwölf Jahre. Entsprechend bleiben die Motorenfamilien lange in Produktion, jedoch mit laufender Anpassung an die technischen Entwicklungen und Gesetze, z.B. mit Abgasfilterung und NOx-Reduktion. Dadurch ist es möglich, ältere Motoren kostengünstig zu erneuern und die langlebige Basis weiterhin zu nutzen.

V-Motoren für Diesel und Gas

Während die Reihenmotoren in grossen Zahl auf langen Fertigungsstrassen zusammengesetzt werden, ist dies bei den V-Motoren anders. Die 12-Zylinder-Motoren werden pro Stück zusammengesetzt, in Tagesschicht, von hochqualifizierten Berufsleuten wie KFZ-Mechanikern und Mechatronikern. Die Fertigstellung dauert mehrere Tage und schliesst mit dem Warmtest ab, dh. die Motoren werden mit Treibstoff betrieben und geprüft. In der Fertigungshalle waren Gasmotoren und Schiffsdieselmotoren zu sehen, die mit ihrer Baugrösse und Leistung beeindrucken.

Motoren für Schiffe

In Augsburg produziert MAN Dieselmotoren für Schiffe mit bis zu 120’000 PS, und hält damit den Rekord der stärksten Schiffsdieselmotoren. In Nürnberg hingegen werden die V-Motoren für Schiffe zusammengesetzt. Deren Bauweise ist den hohen Anforderungen der Schifffahrt angepasst, mit doppelwandigen Leitungen, Konstruktion ohne Ölverlust und Temperatursensoren gegen Überhitzung.

Zukünftige Entwicklungen

Die Technologie der Verbrennungsmotoren wird noch Jahrzehnte benötigt, mangels kompakter Stromspeicher. Mehr Sorgen bereitet der MAN der Mutterkonzern Volkswagen Wolfsburg, der die langjährigen Betriebsstätten und Zulieferer in Frage stellt, wodurch die Unsicherheit bei Mitarbeitern die Motivation und Zuverlässigkeit gefährden. Die globale Wirtschaftspolitik scheint mehr Einfluss zu haben als die Klimapolitik.

Nürnberger Unterhaltung

Nebst der Führung durch die MAN Motorenwerke hatten wir Gelegenheit zur Besichtigung der Kaiserburg Nürnberg und der weitläufigen Keller für die frühere untergärige Bierherstellung mit natürlicher Kühlung.

Wir können die Studienreisen von Swiss Engineering nur weiterempfehlen. Die technologisch hochstehenden besuchten Betriebe geben jeweils Einblick in die Betriebskultur und in aktuelle Technologien, was als Weiterbildung und Erfahrungsaustausch persönlich bereichert.